Theaterverein Obergoms

... mehr als nur eine Passion

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2011Santantoni

Inhalt


Der heilige St. Antonius bekommt Besuch. Der Beschützer” von Münster gewährt Eintritt in sein Reich. Einige der grossen und mächtigen Gommer sind zu Besuch und erzählen ihre Geschichte.

Durchzogen mit einigen der bekanntesten Sagen, aber auch angelehnt an die Geschichte wird Stück für Stück ein Teil der Vergangenheit vom Goms auf mystische Art und Weise vom Theaterverein Obergoms in der Santantoni Kapelle von Münster dargestellt.

Das Stück, eine Eigenproduktion”, wurde von Beni Kreuzer geschrieben und erarbeitet.

Personen und ihre Darsteller


Hl. Antonius Roberto Imoberdorf, Geschinen
Matthäus Schiner Josef Imsand, Ulrichen
Engel Melanie Kummer, Münster
Hexe Elisabeth Carlen, Gluringen
Söldner Valentin Imsand, Münster
Jörg Supersaxo Beni Kreuzer, Oberrüti
Erzähler Andreas Kämpfen, Geschinen
Pfarrer Julius Imwinkelried, Obergesteln
Mätresse Carolin Zuberbühler, Grafschaft

Hinter der Bühne


Regie

Beni Kreuzer, Oberrüti
Technik / Beleuchtung Christoph Imsand, Münster
Nicloa Imsand, Münster
Martin Kraft, Münster
Kostüme

Caroline Zuberbühler, Grafschaft
Maske

Myriam Oswald, Grafschaft
Musik

Andi Imfeld, Ulrich

Die Idee


Wieso Santantoni?

Um unseren Gästen, aber auch uns selber zu beweisen, dass wir auch anders” können wollen wir im Sommer 2011 mal was ganz Spezielles inszenieren. Im Anschluss an eine strenge Theaterprobe im vergangenen Herbst kam die Idee: Wir führen ein Drama auf. Die Idee wurde weitergesponnen und im Verlauf des Winters bekam die Idee immer mehr Hand und Fuss. Zu Beginn sprachen wir über eine Aufführung mit 20 Zuschauerinnen und Zuschauern im Beinhaus von Münster. Diese Idee mussten wir aus verschiedenen Gründen überarbeiten. So kamen wir zum Schluss, dass die St. Antonius-Kapelle auf dem Biel bei Münster als idealer Austragungsort für unser Vorhaben Platz für rund 60 Zuschauerinnen und Zuschauer bietet. Ebenfalls ist die Lokalität im Gegensatz zum Beinhaus weniger emotional geladen.
Bereits im vergangenen Herbst hatten wir die Akteure des Stücks Hurra än Büäb” vorinformiert, so dass diese als erste von der Idee Wind bekommen”. Mit dem Regisseur Beni Kreuzer konnten wir ebenfalls schon früh über die Idee sprechen, so dass wir auch hier mit guten Voraussetzungen an die Realisierung gehen konnten.

Die Geschichte


St. Antonius Kapelle auf dem Biel bei Münster

1.1. Der Bau

Die Antoniuskapelle auf dem lärchenbewachsenen Hügel am Eingang zum Münstigertal verbindet sich mit der Landschaft zu einer Einheit. Sie erscheint nach den Worten des Kunsthistorikers Walter Ruppen als Inbegriff einer Walliser Barockkapelle”. Sie ist das heute noch sichtbare Zeichen zweier mächtiger Wellen der Antoniusverehrung im 17. und 18. Jahrhundert.
Der heilige Antonius von Padua galt als Helfer gegen Unfruchtbarkeit. Als der Landeshauptmann und Neffe des grossen Stockalpers, Peter von Riedmatten, beim Tode seiner zweiten Frau als 47-jähriger noch immer kinderlos war, versprach er, eine Kapelle zu bauen. So entstand in den Jahren 1679/1683 auf dem Bielhügel eine Kapelle. Das leitete die erste Welle der Antonius-Begeisterung ein. Schon kurz nach dem Kapellenbau wurde der Namenstag des Antonius, der 13. Juni, zu einem Feiertag. Das ist auch heute noch so.
Die zweite Welle der Antoniusverehrung wurde um 1750 durch Pfarrer Johann Georg Garin Ritz eingeleitet. Nirgends in der Welt, ausser in Padua wurde Antonius mehr verehrt als in Münster. Die Leute pilgerten von weit her, unter anderem auch aus dem heute italienischen Pomatt. Um dem Ansturm zu genügen, musste die Kapelle erweitert werden. Das notwendige Geld brachte der eifrige Pfarrer dadurch zusammen, dass er selber ein Theaterstück mit dem Titel Der heilige Antonius von Padua” verfasste. Das Manuskript wird heute im Pfarreimuseum aufbewahrt. Mit dem Freilichtspiel -es dauerte einen ganzen Tag lang!- erreichte der Pfarrer zwei Ziele auf einmal: Die Belehrung des Volkes und das Geld zur Vergrösserung des Kapellenschiffes. Die Aufführung wurde zu einem riesigen Erfolg. Grosszügige Spenden ergänzten die Einnahmen. Bereits kurz nach 1770 konnte mit dem Umbau begonnen werden. Das neue Schiff bot nun Platz für zwei Seitenaltäre.
Auf dem Kappellengewölbe finden wir 12 Szenen aus dem Leben des heiligen Antonius. Sie stimmen genau mit den Szenen des Spiels überein: 1.”Tod”, 2.”Irrthum”, 3.”Elend”, 4.”Teuffel”, 5.”Eisenband”, 6.”Das Meer”, 7.”Die Krancke”, 8.”Aussatz”, 9.”Die glider” 10.”VerLohrnes gut” 11.”Grosse gefahr”, 12.”Die Noth vergeht”. Wie beliebt und hilfreich der Heilige damals gewesen sein muss, ist auch anhand der zahlreichen Exvotos messbar. Insgesamt gibt es aus der Zeit von 1683-1914 über 70 Tafeln. Im Chor der Kapelle befinden sich heute deren 30, die restlichen können im Pfarreimuseum besichtigt werden.

1.2. Die Sage vom Heiligen Antonius und dem Teufel

Dass der heilige Antonius aber auch die Aufgabe hatte, das Dorf Münster vor dem Teufel und das heisst nach damaliger Auffassung auch vor Hochwasser und Steinlawinen aus dem Münstigertal zu schützen, veranschaulicht die Sage vom Teufelsstein eindrücklich.
Irgendeinmal -vermutlich in der Barockzeit- hatte es der Teufel satt, dass die Gommer und vor allem die Münstiger so viele Kirchen, Kapellen und Gebetsstöcke bauten. Das ging ihm entschieden zu weit. Seiner Meinung nach wurde auch viel zuviel gebetet, und er machte sich Sorgen um seinen Arbeitsplatz. Dem wollte er entgegenwirken. Darum beschloss er eines Tages, ein Exempel zu statuieren und Münster zu zerstören.
Um seiner Sache ganz sicher zu sein, bat er seine Grossmutter, ihm dabei zu helfen. Er liess im Münstigertal ein fürchterliches Gewitter niedergehen. Durch das Hochwasser löste sich unterhalb des Gletschers eine riesige Steinlawine, die sich wütend auf das Dorf zu bewegte. Zuvorderst schob der Teufel selber einen gewaltigen Stein vor sich her. Seine Grossmutter half ihm dabei, indem sie mit einem Seil den Stein talauswärts zog.
Schon war das Zweiergespann dicht am Dorfe, da eilte der heilige Antonius aus der Kapelle heraus, um mit seinem Kreuz die Gefahr abzuwenden. Die Grossmutter rief dem Teufel zu Stoos, Tiifel, stoss!, ds Toni löift scho ums Chapelti um!”. Der Teufel schaute hinauf und sah, dass der heilige Antonius gerade im Begriff war, das Hochwasser zu segnen. Allein der Gedanke, bis zum Hals im geweihten Wasser zu stehen, versetzte den Teufel in Angst und Schrecken! Er flüchtete zurück ins Tal und die Steinlawine kam zum stehen.
Auf diese Weise hat der heilige Antonius das Dorf Münster gerettet. Auf dem Weg vom Dorf in das Münstigertal kann man auf der gegenüberliegenden Seite der Antoniuskapelle heute noch einen grossen Stein sehen. Er wird immer noch der Teufelsstein” genannt, und an der oberen Seite gegen das Tal hin kann man zwei faustgrosse Vertiefungen erkennen: Die Faustabdrücke des Teufels.

1.3. St. Antonius von Padua

Fernando Martim de Bulhões e Taveira Azevedo wurde in Lissabon als Sohn einer begüterten Adelsfamilie geboren. 1220 trat er ins Kloster der Minderbrüder des Ordens, San Antonius Olivares in Coimbra, ein und nahm den Namen Antonius an. 1221 nahm er in Assisi am Generalkapitel seines Ordens teil, dabei wurde seine Begabung als Redner entdeckt.
1227 bis 1230 war Antonius als Bussprediger in Oberitalien tätig, zugleich wurde er Ordensprovinzial in der Emilia Romagna mit Sitz in Padua. 1230 legte er, entkräftet von den anstrengenden Reisen, seine Ämter nieder, und lebte auf einem Nussbaum auf dem Landgut Camposampiero bei Padua. Seine Fastenpredigten in Padua 1231 hatten sensationellen Erfolg, keine Kirche war gross genug, er musste ins Freie ausweichen. Die ganze Region schien wie umgewandelt: Schulden wurden erlassen, zerstrittene Familien versöhnten sich, Diebe gaben das gestohlene Gut zurück, Dirnen kehrten ins ehrbare Leben zurück, unrechtmässige und überhöhte Zinsen wurden den Schuldnern zurückerstattet.
Antonius’ Patronat für verlorene Sachen geht zurück auf die Überlieferung, dass ein junger Mönch den Psalter des Antonius ohne dessen Erlaubnis mitnahm. Daraufhin wurde er von Erscheinungen heimgesucht, so dass er das Buch schleunigst zurückbrachte.

1.4. Kardinal Matthäus Schiner und Münster

Das Pfarrhaus wurde im Jahr 1509 erbaut. Es ist also fast 500 jährig. Auf der Ostseite erinnert ein Gedenkstein an Kardinal Matthäus Schiner, den Fürstbischof des Wallis. Er wurde 1465 in Mühlebach bei Ernen geboren. Zu jener Zeit war er ein guter Freund des damaligen Pfarrers von Münster. Das war gut für Münster. Als Fürstbischof verfügte er über kirchliche und politische Macht. Er war das Haupt der Kirche und des Staates und übte einen grossen und nachhaltigen Einfluss aus. Nicht nur auf das Wallis, sondern auf die ganze damalige Schweiz und Europa.
Der Papst stand mit Frankreich auf Kriegsfuss. Schiner hielt zum Papst. Sein früherer Jugendfreund Jörg Supersaxo unterstützte den König von Frankreich. Schiner kam in grosse Schwierigkeiten. Er hatte gegen den unerreichten Volksschmeichler” Jörg Supersaxo, der jetzt ein erbitterter Feind geworden war, keine Chance, und er musste das Land verlassen. Die letzte Nacht in seiner Heimat verbrachte er bei seinem Freund, dem Pfarrer von Münster. Von hier aus ging es über den Griespass nach Rom.
Im Jahre 1515 kämpfte er in der berühmten Schlacht von Marignano gegen die französische Armee. Er ging auch zum König von England, um ihn zu bitten, den Papst im Kampf gegen Frankreich zu unterstützen. Er wurde Kardinal und war Kandidat bei der Papstwahl. Er starb 1522 in Rom und wurde da selbst beerdigt. Kein Schweizer hatte je eine vergleichbare politische Bedeutung in Europa.

Mysterienspiel Santantoni”

2.1. Inhalt

Das Goms ist reich an wichtigen historischen Persönlichkeiten. Neben zahlreichen Bischöfen – welche damals zugleich auch die Grafen des Wallis waren und damit die weltliche, wie kirchliche Hoheit ausübten – waren auch viele Landeshauptmänner und militärische Führer aus dem Wallis. Ziel des Mysterienspiels ist es, mit und durch diese Persönlichkeiten näher an die Vergangenheit des Goms mit all seinen positiven und auch negativen Facetten zu gelangen. Mit Kardinal Matthäus Schiner verfügt das Goms über eine herausragende Persönlichkeit des 16. Jahrhunderts. Münster hatte zu ihm eine (im Gegensatz zu Ernen) gute Beziehung. Das lässt sich auch daraus schliessen, dass auf dem Münstiger Hochaltar das Schinerwappen an prominenter Stelle platziert ist und so Matthäus Schiner wohl einer der Hauptgönner war.
Matthäus Schiner kommt so im Himmel in ein Zwiegespräch mit dem Heiligen St. Antonius (Santantoni). Daneben treten aber auch weitere Personen in seinem Umfeld auf und erzählen/berichten aus ihrer Sicht über die Ereignisse: Jörg Supersaxo, eine Dirne, ein Soldat etc. So soll die Persönlichkeit aus verschiedenen Blickwinkeln be- und durchleuchtet werden.
Es werden auch Sagen aus dem Goms/Wallis in die Handlung einbezogen. So nimmt der Gratzug ebenfalls als Teil der Erzählung einen wichtigen Platz ein. Insbesondere die Kriegszüge des geistlichen” Herrn Kardinal Matthäus Schiner, können mit dem Gratzug ideal in die lokale Sagenwelt integriert werden. Logisch auch, dass die Sage vom Hl. Antonius und dem Teufel seinen Niederschlag finden wird.